Stadtpokal 2013 Winsen

 

Ein Torjubel wie Mario Balotelli, ein Bürgermeister, der sich in seine fußballerische Vergangenheit zurückversetzt fühlt, und ein Überraschungssieger

- das 28. Hallenfußballturnier um den Winsener Stadtpokal, offiziell der Sparkassen-Cup der Stadt Winsen, hatte jene beste Unterhaltung zu bieten, die die Fans Jahr für Jahr am ersten Sonnabend im Januar in die Winarena pilgern lässt. Mehrfach rieben sich die mehr als 500 Anhänger in der ausverkauften Sporthalle verwundert die Augen, wie gut die vermeintlichen Außenseiter den favorisierten Teams aus Landes- und Bezirksliga Paroli bieten konnten. Dazu zählte der sensationelle Einzug des MTV Rottorf (3. Kreisklasse) ins Halbfinale, dazu zählte aber in erster Linie der Premierenerfolg des MTV Luhdorf-Roydorf.

 

In allen sieben Turnierspielen blieben die "blauen Jungs" ungeschlagen, zogen nach zwei Siegen und zwei Unentschieden als Gruppenzweiter hinter dem TSV Auetal ins Viertelfinale ein. Dort glichen Andreas Jacobs und Niklas Illmann jeweils Rückstande gegen die SG Elbdeich aus, bevor Philipp Randel den Kreisligisten MTV Luhdorf-Roydorf mit dem 3:2 ins Halbfinale schoss.

Gegen den großen Nachbarn, den Landesligisten TSV Winsen, kochten die Emotionen auf beiden Seiten hoch, ohne die Grenzen des Fair Play zu überschreiten. Winsens Oliver Rupprecht kassierte eine umstrittene Zeitstrafe, Trainer Gunnar Sellmer wurde wegen heftigen Reklamierens von Schiedsrichter Kai Oder auf die Tribüne geschickt. Kemal Kanef brachte Luhdorf in Führung, Erkan Alkan glich für Winsen aus. Weil auch nach fünfminütiger Verlängerung kein Sieger gefunden war, musste die Entscheidung vom Neunmeterpunkt fallen. Hendrik Tomczak setzte seinen Schuss über das Luhdorfer Gehäuse, Göksu Soguksu knallte das Leder an die Latte. Der Rest war ein einziger Jubel in Blau und die Vorfreude auf das Finale gegen Seriensieger MTV Borstel-Sangenstedt, der im zweiten Halbfinale den extrem diszipliniert auftretenden MTV Rottorf mit 2:1 niedergerungen hatte.

Ausgerechnet Borstel gegen Luhdorf. Beide Vereine arbeiten seit mehr als 25 Jahren im Jugendbereich zusammen, bilden auch bei den Senioren eine Spielgemeinschaft. Bei den Herren beschreiben die Verantwortlichen das Verhältnis eher als "gesunde Rivalität". In Unterzahl erzielte David Mehl mit einem Volleyschuss fast von der Mittellinie die Endspielführung für Borstel, die Felix Mertke wenig später zum 1:1 egalisierte. Henning Menke war es 90 Sekunden vor dem Abpfiff vorbehalten, den 2:1- Siegtreffer für Luhdorf zu erzielen. Hin zu den begeisterten MTV-Fans, das Trikot runtergerissen und eine Jubelgeste wie Italiens Mario Balotelli im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland - freilich mit weniger muskelbepacktem Oberkörper.

"Luhdorfer Jungs, Luhdorfer Jungs, wir sind alle Luhdorfer Jungs", hallt es durch die Winarena. Die letzten zehn Sekunden werden als Countdown mitgezählt, danach folgt LaOla für die Fans. Ein ungläubiger Trainer Stefan Kock schlägt die Hände über dem lichten Haar zusammen. "Die Nummer eins der Stadt sind wir - einfach unfassbar."

"Unsere gute Jugendarbeit zahlt sich langsam aus", bescheinigt Co-Trainer Dierk Staack dem überwiegend aus Spielern der Jahrgänge 1990 bis 1993 bestehenden Stadtpokalsieger 2013 eine konstante Leistung. "Wir haben unseren Level gehalten und auch etwas Glück gehabt." Zwei Wochen zuvor war der MTV Luhdorf-Roydorf schon Futsal-Kreismeister geworden und vertritt Niedersachsen gemeinsam mit Arminia Hannover bei der norddeutschen Meisterschaft am 16. Februar in Hamburg.

Selbst André Wiese konnte die besondere Freude über den ersten Luhdorfer Stadtpokalsieg in 28 Jahren nicht verhehlen. "Ich habe auch mal in Luhdorf Fußball gespielt", erzählte Winsens Bürgermeister bei der Siegerehrung, "gut, dass ich aufgehört habe. Sonst würdet ihr hier nicht stehen."

Als Torschützenkönig bei dem von Eintracht Elbmarsch perfekt ausgerichteten Turnier wurde Felix Beck (TSV Auetal) ausgezeichnet, der wie Oliver Rupprecht und Erkan Alkan (beide TSV Winsen) jeweils sechs Treffer erzielte. Ebenfalls einen Sportartikel-Gutschein erhielt der beste Torhüter, Jörg Zimmermann vom MTV Rottorf.

Quelle: Hamburger Abendblatt v.7.1.2013

   
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